Bei Teufelnacht war Black Metal noch nie einfach nur Black Metal. Zu viel Punk, zu viel Dreck, zu viel schräger Humor und vor allem zu viel Liebe für Horror- und Bahnhofskino steckt in diesem Projekt. Mit „Folterplanet“ erschien am 18. Oktober 2025 eine neue EP, die genau dort weitermacht: sieben Songs, gut 21 Minuten Spielzeit und erneut diese Mischung aus Finsternis, Provokation und einem ziemlich eigenwilligen Augenzwinkern.
Teufelnacht – zwischen Black Metal und Teufelrock
Teufelnacht stammen aus Nordrhein-Westfalen und bestehen aus Graf Leichenstein, der sich um die Instrumente kümmert, und Kroil am Gesang. Wer das Projekt schon länger verfolgt, weiß allerdings auch: Mit dem üblichen bierernsten Schwarzmetall-Gehabe haben die beiden nur bedingt etwas am Hut. Das Fundament ist klar Black Metal, doch immer wieder schieben sich Punk, rohe Rock-Riffs, lärmige beziehungsweise beinahe industrielle Momente und eine ordentliche Portion Szene-Spott dazwischen.
Passend dazu taucht für die eigene Musik immer wieder der Begriff Teufelrock auf. Der trifft es eigentlich ziemlich gut. Teufelnacht bedienen sich zwar bei bekannten Black-Metal-Zutaten, machen daraus aber etwas, das bewusst schmutziger, ruppiger und weniger ehrfürchtig klingt. Bereits „Ausnahmeverbrechen“ von 2021 und „Finstere Teufelrock Rituale“ von 2024 zeigten diese Richtung. Dazu kommt eine deutliche Vorliebe für Horrorfilme, Trash, alte Monster und Figuren abseits des üblichen Black-Metal-Lyrikbaukastens.
„Folterplanet“ – kurz, dreckig und ohne Leerlauf
Genau diese Welt wird auf „Folterplanet“ noch einmal verdichtet. Die EP braucht keine lange Anlaufzeit und versucht auch gar nicht erst, sich größer zu machen als sie ist. Das Material ist roh, direkt und stellenweise herrlich störrisch. Die Gitarren sägen und schaben, der Rhythmus arbeitet häufig stoisch nach vorne und Kroils Stimme klingt weniger nach klassischem Kreischen als nach jemandem, der seine letzten Nerven direkt ins Mikrofon kotzt.
Der Auftakt „Waldemar Daninsky“ setzt dafür sofort den richtigen Rahmen. Der Titel verweist auf die von Paul Naschy verkörperte Werwolf-Figur aus dem spanischen Horrorfilm-Kosmos. Musikalisch steckt in dem Stück viel von dem, was Teufelnacht ausmacht: punkige Bewegung, harsche Black-Metal-Ausbrüche und eine unruhige Atmosphäre, die eher nach altem Horrorfilm auf ausgeleierter VHS-Kassette klingt als nach sauber ausgeleuchtetem Hochglanz-Occult-Metal.
„Frankenstein“ bleibt im Monsterkabinett und funktioniert ebenfalls weniger wie eine feierliche Hommage als wie dreckiges Kellerkino. Überhaupt sind die Songtitel diesmal erstaunlich geschlossen: Werwolf, Frankenstein, Vampir und Mumie stehen Seite an Seite mit schwarzer Messe und Folterplanet. Das gibt der EP einen roten Faden, ohne dass daraus ein überladenes Konzeptalbum gemacht wird.
Mit „Schwarze Messe“ wird das Ganze noch einmal kompakter, bevor „Black Metal raus aus Deutschland“ nach nur knapp anderthalb Minuten schon wieder vorbei ist. Der Song ist wohl der offensichtlichste Seitenhieb der EP. Teufelnacht nehmen Black Metal ernst genug, um ihn zu spielen, aber eben nicht ernst genug, um dessen gesamte Selbstinszenierung unangetastet zu lassen. Genau diese Reibung gehört seit Jahren zur Identität der Band. Wo andere Projekte jeden Szene-Kodex mit Grabesstimme verteidigen, wird hier lieber dagegen gepöbelt.
„Vampir“ und „Mumie“ führen anschließend wieder tiefer in die alte Horrorwelt. Gerade dass Teufelnacht solche Motive nicht mit symphonischem Bombast oder Gothic-Kitsch aufblasen, sondern durch ihre eigene rohe Sprache jagen, macht den Reiz aus. Die Stücke wirken dadurch eher wie verschrobene Schwarzmetall-Soundtracks zu Filmen, die irgendwann nachts um halb drei auf einer zerkratzten Videokassette laufen könnten.
Der abschließende Titelsong „Folterplanet“ macht dann ebenfalls keine große Schlusszeremonie daraus. Nach nicht einmal zwei Minuten ist Feierabend. Und genau das passt: Diese EP will nicht episch sein. Sie kommt rein, hinterlässt Schmutz, Blutspuren und ein paar Fragezeichen und verschwindet wieder.
Die Produktion gehört zum Konzept
Natürlich ist „Folterplanet“ keine Produktion für Leute, die jedes Becken glasklar und jede Gitarrenspur sauber getrennt hören wollen. Die Platte lebt von ihrer verwaschenen, rauen Oberfläche. Das passt hervorragend zur Stimmung, verschluckt aber stellenweise auch Details. Gerade wenn Tempo und Dissonanzen gleichzeitig anziehen, verschwimmt einiges zu einer schwarzen Wand.
Das kann man als Schwäche sehen, es ist aber gleichzeitig ein Teil dessen, was Teufelnacht ausmacht. Ein klinischer Sound würde dieser Musik wahrscheinlich mehr schaden als helfen. Trotzdem hätten ein paar Stellen mit etwas mehr Luft und Dynamik den einzelnen Songs noch mehr Eigenständigkeit geben können. Bei 21 Minuten Spielzeit fällt das allerdings deutlich weniger ins Gewicht als auf einem einstündigen Album.
Tracklist
- Waldemar Daninsky
- Frankenstein
- Schwarze Messe
- Black Metal raus aus Deutschland
- Vampir
- Mumie
- Folterplanet
Fazit
„Folterplanet“ ist keine EP, die versucht, den Black Metal neu zu erfinden. Teufelnacht machen etwas Interessanteres: Sie ziehen das Genre durch ihren eigenen schmutzigen Horrorfilm-Filter. Das Ergebnis ist roh, punkig, hässlich und stellenweise bewusst albern, ohne deshalb zur reinen Spaßveranstaltung zu werden. Unter dem ganzen Teufelrock und Monsterkino steckt immer noch eine ziemlich finstere Platte.
Wer modernen Hochglanz-Black-Metal sucht, dürfte hier eher flüchten. Wer dagegen Freude an kaputtem Underground, Punk-Attitüde, Horrorfilm-Fetisch und Bands hat, die auch über die eigene Szene lachen können, sollte sich „Folterplanet“ anhören. Die kurze Spielzeit steht der EP dabei gut: kein unnötiges Strecken, kein großer Überbau – sieben Songs und wieder raus aus dem Keller.
Veröffentlichung: 18.10.2025
Spielzeit: ca. 21 Minuten
Label: Bleeding Heart Nihilist Productions / Crawling Chaos Records
Formate: Digital, 12″-Vinyl und limitierte Kassette