Cales – Unexplored Territories Review: rau, düster und eigenwillig

Cover von Cales – Unexplored Territories

Mit „Unexplored Territories“ ist am 16. August 2026 das achte Album von Cales erschienen. Hinter dem Projekt steckt Petr „Blackosh“ Hošek – ein Name, der tief in der tschechischen Extreme-Metal-Geschichte verwurzelt ist. Wer Blackosh vor allem mit Root, Master’s Hammer oder seiner Verbindung zu Nifelheim verbindet, bekommt mit Cales allerdings eine etwas andere Seite zu hören: weniger festgelegt, oft melodischer, stellenweise verträumt, aber immer mit genug Schmutz unter den Fingernägeln.

Cales: seit 1992 zwischen Pagan, Doom und dunklem Metal

Cales existieren bereits seit 1992 und sind im Grunde Blackoshs persönliches Spielfeld. Über die Jahre hat sich das Projekt nie besonders darum gekümmert, sauber in eine einzige Schublade zu passen. Melodischer Doom Metal, Pagan- und Folk-Einflüsse, Black Metal, klassische Heavy-Metal-Melodien und immer wieder eine eher archaische Atmosphäre gehören seit den frühen Tagen zusammen.

Das Debüt „Bonds of Togetherness“ erschien 1997. Es folgten unter anderem „The Pass in Time“, „Uncommon Excursion“, „Savage Blood“, „KRF“, „Return from the Other Side“ und 2022 „Chants of Steel“. Gerade das letzte Album zeigte bereits eine deutlich rauere und aggressivere Seite. „Unexplored Territories“ greift diesen Faden auf, wirkt dabei aber nicht wie eine bloße Fortsetzung.

„Unexplored Territories“: roh statt glattgebügelt

Das Album wurde zwischen 2023 und 2026 im Descent Studio geschrieben, aufgenommen, gemischt und gemastert. Blackosh übernahm Gitarren, Gesang und Programmierung selbst. Genau diese Ein-Mann-Handschrift hört man der Platte auch konzeptionell an: Sie wirkt nicht wie ein Produkt, das auf maximale Gefälligkeit oder moderne Hochglanzproduktion getrimmt wurde. Stattdessen steht ein erdiger, bewusst ungeschliffener Charakter im Vordergrund.

Musikalisch treffen schwere, teilweise fast death-metalige Riffs auf Black-Metal-Schärfe, Pagan-Melodien und ruhigere, atmosphärische Passagen. Das Interessante daran ist weniger, dass all diese Zutaten auftauchen, sondern wie selbstverständlich sie nebeneinanderstehen. Cales springen nicht hektisch zwischen Stilen hin und her. Die Musik wirkt vielmehr wie eine düstere Landschaft, in der sich Härte, Melancholie und gelegentlich fast rockige Melodien gegenseitig Platz machen.

Realm of Ravines

Der Einstieg setzt den Rahmen für das Album: dunkle Melodien, schwere Gitarren und eine bewusst raue Produktion. Gleichzeitig bleibt genug Raum für die melodische Seite von Cales. Das Stück funktioniert dadurch nicht nur als Türöffner, sondern als ziemlich gute Zusammenfassung dessen, was auf „Unexplored Territories“ folgt: Härte und Atmosphäre werden nicht gegeneinander ausgespielt.

Return from the Underworld

Hier wird die Verbindung zur älteren Cales-Phase besonders greifbar. Der Song lebt von Wechseln zwischen zurückgenommener, fast träumerischer Stimmung und deutlich aggressiveren Ausbrüchen. Gerade diese Kontraste geben dem Stück Tiefe. Statt einfach nur Geschwindigkeit oder Härte zu erhöhen, arbeitet Blackosh mit Dynamik und lässt die Gitarren immer wieder aufbrechen.

The Hunt is Coming

Mit „The Hunt is Coming“ wird die Platte deutlich giftiger. Blastbeats und Tremolo-Riffing rücken stärker nach vorne, die Black-Metal-Seite übernimmt kurzzeitig das Kommando. Trotzdem bleibt das Stück klar als Cales erkennbar und kippt nicht in reines Genre-Schema ab. Einer der härteren Momente des Albums.

Lords of the Past

„Lords of the Past“ bringt zusätzlich eine deutlich thrashigere Kante hinein. Das Riffing wirkt direkter und kämpferischer, bleibt aber von der dunklen Grundstimmung umgeben. Gerade diese Mischung aus oldschooliger Härte und atmosphärischem Unterbau passt sehr gut zu Blackoshs Handschrift.

Unexplored Territories

Der Titelsong nimmt etwas Druck heraus und öffnet das Album wieder stärker in Richtung Melodie und Atmosphäre. Hier taucht auch der Gastgesang von Andrea Bastlová auf – eher als feiner Farbtupfer als als große Duett-Nummer. Das Stück erinnert stellenweise stärker an die ältere, weitläufigere Cales-Seite und wirkt dadurch wie ein Ruhepunkt, ohne wirklich weich zu werden.

Hailed by the Ancients

Majestätischer, breiter und mit einem deutlichen Gefühl von Abschluss: „Hailed by the Ancients“ bündelt noch einmal vieles, was diese Platte ausmacht. Die Melodien bekommen mehr Raum, während der raue Gesang und die schweren Gitarren verhindern, dass das Stück zu glatt wird. Als regulärer Abschluss funktioniert der Song erstaunlich gut.

Tracklist

  1. Realm of Ravines
  2. Return from the Underworld
  3. The Hunt is Coming
  4. Lords of the Past
  5. Unexplored Territories
  6. Hailed by the Ancients
  7. At the Goal (Bonus)

Hinweis: Die Bonusfassung führt zusätzlich „At the Goal“. Der Bonustrack ist auf der öffentlich zugänglichen Bandcamp-Seite nicht regulär als Stream verfügbar und wird deshalb hier nicht klanglich bewertet.

Fazit

Cales bleiben auch 2026 ein Projekt, das sich nur ungern festnageln lässt. „Unexplored Territories“ klingt nicht nach nostalgischem Rückblick und auch nicht nach dem Versuch, sich an aktuelle Black-Metal-Strömungen anzuhängen. Stattdessen steckt hier sehr viel von Blackoshs eigener musikalischer Geschichte drin: Pagan- und Doom-Metal-Wurzeln, derb angeschwärzte Riffs, ein Schuss Death Metal, alte Heavy-Metal-Melodik und dieser eigentümlich erdige Charakter, der das Ganze zusammenhält.

Wer eine perfekt polierte Platte erwartet, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer dagegen Musik mag, die Ecken stehen lässt, Atmosphäre nicht mit Keyboards zukleistert und Härte auch mal neben einer offenen Melodie stehen lassen kann, sollte Cales eine Chance geben. Gerade die Mischung aus ruppigen Passagen und den ruhigeren, fast träumerischen Momenten macht „Unexplored Territories“ interessant.

Die digitale Fassung erschien am 16. August 2026. Eine schwarze 12-Zoll-LP auf 140-Gramm-Vinyl mit bedrucktem Insert ist über Monster Nation gelistet. Anhören und beziehen könnt ihr das Album direkt über Bandcamp; die Vinyl-Ausgabe findet ihr bei Monster Nation.

Redaktionelle Einordnung auf Basis der offiziellen Veröffentlichung, Credits und begleitenden Informationen zum Album.

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