Genre: Cyber Goregrind / Electronic Sickness Grind
Land: Germany
Release: Dezember 2025
Label: Rotten Roll Rex
LIBIDO AIRBAG melden sich mit Scum Sculpture nach längerer Pause zurück und knüpfen dabei klar an das an, wofür das Projekt seit den 90ern steht: kalte elektronische Grundstimmung, maschineller Druck und Cyber-Goregrind, der eher über Atmosphäre und Drive funktioniert als über klassische „Song-Hits“. Das Album wirkt dabei nicht wie ein Versuch, alte Zeiten zu kopieren, sondern wie eine konsequente Fortsetzung der eigenen Handschrift.
Der Einstieg über „Filth Memorial“ setzt sofort den Ton: tiefe, derbe Vocals, eine düstere Kälte im Sound und elektronische Elemente, die nicht nur Beiwerk sind, sondern die gesamte Stimmung tragen. „Mescalinum Masculinum“ legt nach und zeigt schnell, wie Scum Sculpture arbeitet – viel Vorwärtsdrang, harte Breaks, dazwischen Samples und kleine elektronische Einsprengsel, die den Songs Struktur geben und sie voneinander trennen. „Fellatio Task Force“ und „Vaginal Wasteland Warrior“ halten das Tempo hoch, wirken aber nicht beliebig, weil immer wieder groovige Passagen und Wechsel im Rhythmus das reine Durchballern aufbrechen.
Auffällig ist, wie geschlossen das Album insgesamt klingt. Tracks wie „Under The Spell Of Artificial Anus Amazons“ leben von der Mischung aus Sample-Schichten, stampfendem Grundbeat und sehr präsenten Vocals. „Post Traumatic Penile Fracture“ bringt noch einmal extra Druck ins Spiel und wirkt wie ein zentraler Punkt im Album – auch durch den Gastgesang von Erwin Devourer Of BBW Applebottoms, der gut integriert ist und nicht wie ein reines Feature wirkt.
„Terror Cell Teabagging“ spielt mit einem kurzen, horrorartigen Einstieg und geht danach in einen eher monotonen, maschinellen Sog über, der typisch für die Industrial-Seite des Albums ist. Diese Momente machen deutlich, dass Scum Sculpture nicht nur Geschwindigkeit abliefert, sondern auch eine gewisse „Trance“-Wirkung aufbauen will. Das zeigt sich später ebenfalls bei „Into The Labia Labyrinth“, das vergleichsweise zäh und drückend ausfällt und damit bewusst Kontrast zu den direkteren Stücken setzt.
Auch rifftechnisch gibt es ein paar Momente, die stärker in eine metallische Richtung gehen, ohne den Cybergore-Kern zu verlieren. „Cursed By The Chlamydia Cleric“ ist dafür ein gutes Beispiel: mehr Metal-Kante in den Gitarren, während das elektronische Stampfen und die industrialartige Grundstimmung das Stück fest im LIBIDO AIRBAG-Kosmos halten. Der zweite Gastpart (Colonel Colon L) passt hier ebenfalls gut rein. „Diafragma Denial“ gehört eher zu den eingängigeren Nummern, weil Struktur und Vortrieb sehr klar sind, ohne dass der Track dadurch „sauber“ oder harmlos wirkt.
In der zweiten Hälfte bleibt das Niveau stabil. „Sanguinary Breastfeeding“ und „Coitus Concierge“ kombinieren rasenden Beat mit wiederkehrenden Groove-Momenten, „G-Spot Ghosting“ arbeitet stärker über einen gleichmäßigen, mechanischen Takt, der einen gewissen Sog erzeugt. „Ass Assault Assassin“ fällt durch seinen kompromisslosen Drive auf, während „Trapped In The Trichmoniasis Triangle“ rhythmisch verschachtelter wirkt und eher den Kopf als den reinen Reflex anspricht. „Menopause Mayhem“ beendet das Album passend: nochmal konzentriert, mit Druck und ohne unnötige Ausuferung.
Unterm Strich ist Scum Sculpture ein sehr stimmiges Cyber-Goregrind-Album, das stark über Sounddesign, Samples, maschinelles Drumming und eine konsequent düstere Grundhaltung funktioniert. Wer LIBIDO AIRBAG für genau diese Mischung aus elektronischer Kälte und Grind-Extremität schätzt, dürfte hier bestens bedient sein – und wer mit Drumcomputer-Stampfen, Industrial-Flair und dieser Ästhetik grundsätzlich wenig anfangen kann, wird auch hier kaum einen Zugang finden.