Das war das Party.San Metal Open Air 2025

Das Party.San ist für mich jedes Jahr wieder so ein Festival, bei dem man eigentlich schon vorher weiß, worauf man sich einlässt. Kurze Wege, kein unnötiges Drumherum, viele bekannte Gesichter und vor allem ein Billing, bei dem man sich schon Wochen vorher ausmalt, wie man das alles unter einen Hut bekommen soll. Genau das war auch 2025 wieder der Fall. Es gab viele starke Namen im Programm, aber wie so oft waren es am Ende nicht nur die großen Slots, die das Wochenende getragen haben, sondern gerade auch die Bands dazwischen. Die, bei denen man vielleicht nicht die größte Bühne braucht, um komplett drin zu sein.

Was das Party.San für mich nach wie vor ausmacht, ist diese Mischung aus Verlässlichkeit und Festivalgefühl. Man kommt an, läuft übers Gelände und ist sofort wieder drin. Irgendwo sitzt immer jemand, den man kennt, irgendwo läuft immer schon Musik, irgendwo wird schon diskutiert, welche Band man gleich mitnimmt und welche man schweren Herzens auslassen muss. Dazu dieses typische August-Wetter zwischen Sonne, Staub und dem Versuch, halbwegs wach zu bleiben. Viel mehr braucht es dann auch gar nicht.

Donnerstag

Der Donnerstag war für mich schon direkt mehr als nur reinkommen und langsam warm werden. Napalm Death waren genau die Art von Band, die man auf so einem Festival einfach sehen will. Nicht, weil man sie noch nie gesehen hätte, sondern weil sie live immer funktionieren. Es ist eigentlich egal, wie oft man diese Band schon erlebt hat. Sobald sie auf der Bühne stehen, ist da sofort diese Energie, dieses komplette Nach-vorne-Gehen und genau dieses Gefühl, dass hier gerade nichts verwaltet wird. Napalm Death spielen nicht einfach ihr Set runter, sondern reißen den Platz mit. Genau deshalb war das für mich auch einer der Auftritte, die den Donnerstag richtig festgemacht haben.

Abseits davon war der Tag aber auch deshalb stark, weil das Party.San eben nicht nur auf stumpfen Dauerabriss setzt. Firtan haben für mich sehr gut in diesen frühen Festivalfluss gepasst. Diese Mischung aus Atmosphäre und Schärfe hat live einfach funktioniert und war genau das Richtige, um nicht direkt nur auf rohe Gewalt zu setzen. Das mochte ich gerade an dem Slot. Es war intensiv, aber nicht nur über Härte.

Ähnlich war es dann bei Karg, nur nochmal auf eine andere Weise. Das war insgesamt schwerer, melancholischer und irgendwie auch näher dran an diesem Gefühl, das man auf dem Party.San gerade abends oder im Zelt besonders gut aufnehmen kann. Solche Bands leben nicht nur von Druck, sondern vor allem davon, dass sie eine Stimmung erzeugen. Wenn das funktioniert, bleibt so ein Auftritt oft länger hängen als manches größere Geballer. Und genau das war hier der Fall.

Freitag

Der Freitag war bei mir dann wahrscheinlich der Tag mit der breitesten Mischung. Party Cannon waren dabei genau so ein Fall, bei dem man im Vorfeld schon weiß, dass das entweder komplett zündet oder komplett an einem vorbeigeht. Für mich hat es natürlich funktioniert. Gerade weil es so drüber ist. Dieses ganze überzeichnete, bunte, fast schon absurde Auftreten wäre alleine natürlich zu wenig, aber wenn dahinter eben auch die nötige Wucht steckt, dann geht das auf. Und live hat das einfach Spaß gemacht. Nicht alles muss todernst sein, um auf dem Party.San seinen Platz zu haben.

Mit Naxen ging es dann direkt wieder in eine ganz andere Richtung. Genau solche Brüche machen das Wochenende aber auch spannend. Wo eben kurz vorher noch alles ein bisschen kaputt und überdreht war, wurde es hier ernst, dunkel und deutlich unangenehmer. Das war kein Auftritt, den man locker nebenbei mitnimmt, sondern eher einer, bei dem man sich bewusst drauf einlassen muss. Gerade im Zelt funktioniert so etwas dann besonders gut, weil sich die Stimmung sofort verdichtet. Für mich war das einer der stärkeren Black-Metal-Momente des Wochenendes.

Friisk haben da für mich direkt angeschlossen, aber eben auf ihre ganz eigene Weise. Was ich an Friisk mag, ist, dass das nie nach künstlich auf Atmosphäre getrimmt wirkt. Das ist nicht aufgesetzt, sondern einfach da. Diese Mischung aus Dichte, Kälte und trotzdem genug Gefühl für Dynamik hat live richtig gut funktioniert. Gerade auf einem Festival, auf dem so viele Bands um Aufmerksamkeit kämpfen, bleiben solche Auftritte hängen, weil sie nicht einfach nur laut sein wollen.

Mit Gutslit wurde es danach wieder deutlich direkter. Für mich war das einer der Auftritte, bei denen man sofort gemerkt hat, dass da Energie drin ist. Brutal, schwer und mit genau der richtigen Portion Durchschlagskraft. Gerade weil der Sound nicht beliebig wirkte, sondern eine eigene Note hatte, ist mir die Band so positiv im Kopf geblieben. Solche Slots sind auf dem Party.San oft Gold wert. Keine Band, die nur das Programm auffüllt, sondern eine, die wirklich etwas dalässt.

Brujeria haben dem Freitag dann nochmal eine ganz andere Dreckigkeit gegeben. Genau das braucht so ein Festival auch. Dieser räudige, rohe Charakter passt einfach perfekt auf so ein Gelände. Das ist nicht geschniegelt, nicht geschniegelt gespielt und auch nicht auf Hochglanz poliert, sondern genau so schmutzig, wie es sein muss. Für mich war das einer dieser Auftritte, die das Wochenende nicht schöner machen, sondern ehrlicher.

Samstag

Am Samstag merkt man dann meist, dass das Wochenende schon gearbeitet hat. Die Beine werden schwerer, die Stimme ist irgendwo unterwegs verloren gegangen und trotzdem ist man noch lange nicht fertig. Gerade dann braucht es die richtigen Bands zur richtigen Zeit.

Analepsy waren für mich genau so ein Fall. Wenn man an Tag drei nochmal richtig Druck braucht, dann sind solche Bands perfekt. Das war brutal, schwer und mit genau der Wucht gespielt, die man sich davon erhofft. Nichts Filigranes, nichts, was groß erklärt werden müsste. Einfach ein Set, das einen nochmal komplett abholt und daran erinnert, dass noch genug Energie im Festival steckt.

Danach mochte ich besonders, dass der Samstag eben nicht nur in einer Spur geblieben ist. Pig Destroyer waren für mich ein echtes Highlight, weil sie nochmal eine ganz eigene Art von Unruhe ins Festival gebracht haben. Das war kein bequemer Auftritt und genau deshalb stark. So eine Band muss nicht jedem gefallen, sie muss nur treffen. Und wenn das klappt, dann ist das genau die Art von Chaos, die auf dem Party.San hervorragend funktioniert.

Mit Kvaen ging es dann wieder etwas stärker in diese riffbetonte, treibende Richtung. Gerade live fand ich das sehr dankbar, weil die Band genug Tempo und Biss mitbringt, aber trotzdem nicht nur stumpf auf Geschwindigkeit setzt. Es war einer dieser Auftritte, bei denen man einfach merkt, wie gut das Material auf einer Festivalbühne funktioniert. Da war Zug drin und gleichzeitig genug Struktur, damit mehr hängen bleibt als nur der erste Eindruck.

Fulci waren für mich dann einer der geilsten Momente am Samstag. Diese Band hat live einfach etwas, das sofort greift. Natürlich funktioniert da auch dieser ganze Horrorfilm-Charakter mit rein, aber eben nicht nur als Gimmick. Die Songs haben Wucht, der Groove sitzt und genau dadurch kippt das nicht ins Alberne, sondern bleibt richtig stark. Für mich war das einer dieser Auftritte, bei denen man nochmal merkt, wie wichtig die Zeltbühne auf dem Party.San eigentlich ist. Da passieren oft genau die Sachen, über die man später noch am meisten redet.

Fazit

Wenn ich auf das Party.San Metal Open Air 2025 zurückblicke, dann nicht als Festival der riesigen Headliner-Momente, sondern eher als eines dieser Wochenenden, das über seine vielen starken Einzelteile funktioniert hat. Gerade die Mischung aus Napalm Death, Analepsy, Gutslit, Karg, Firtan, Party Cannon, Brujeria, Naxen, Friisk, Pig Destroyer, Kvaen und Fulci hat das Ding für mich getragen. Das war mal finster, mal chaotisch, mal stumpf auf die Zwölf und mal deutlich atmosphärischer, aber genau dadurch eben richtig rund.

Und genau das ist für mich am Ende auch das, was ein gutes Party.San ausmacht. Nicht, dass eine Band alles überragt, sondern dass man nach drei Tagen merkt, wie viele gute Sachen eigentlich passiert sind. Dass man zwischen Mainstage und Zelt ständig irgendetwas mitgenommen hat, das hängen bleibt. Dass man kaputt, eingestaubt und zufrieden wieder nach Hause fährt und schon weiß, warum man nächstes Jahr wieder hin will.

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